Futsal: Warum hat Dardai Futsal ins Training bei Hertha BSC eingeführt?

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Futsal wird langsam auch in Deutschland immer bekannter. Zum Beispiel war es eine Schlagzeile in Berlin, dass Hertha unter Dardai die Trainingsvarianten des Futsals ins Training eingeführt und praktiziert hat. Schauen wir hier ein bisschen konkret, was für ein Verhältnis zwischen Futsal und Fußball gefunden wird.

 

Spielfeld:

Vergleichen wir zuerst standardmäßig die Spielfelder des Futsals und Fußballs. Ein Fußballfeld ist normalerweise Ca. 105 Meter lang und 68 Meter breit. In dieser Fläche spielen die Leute 11 gegen 11. Futsal ist Ca. 40 Meter lang und 22 Meter breit. In diesem Feld wird 5 gegen 5 gespielt. Man denkt oft so, dass Futsal im sehr engen Raum gespielt werden müsste, da die Fläche des Futsals nur ein Achtel des Fußballfeldes ist und dort schon fast Hälfte der Spieler spielen. Deswegen ist es nachvollziehbar, dass man oft über die Geschwindigkeit und Technik spricht, wenn Futsal zum Gesprächsthema kommt.

 

ABER: Überlegt euch einmal bitte. Beim Fußball gibt es die Regel „Abseits“. Das heißt: die Mannschaft ohne Ball kann selbst die Größe des Spielraums bestimmen. Zum Beispiel versucht Leverkusen unter Roger Schmidt, innerhalb ein Viertel des Spielfeldes Fußball zu spielen. Das bedeutet: sie versuchen innerhalb der Fläche der zwei Futsalfelder 10 gegen 10 (ohne Torwart) mit dem hoch springenden Ball zu spielen. Der offizielle Futsalball darf nicht so hoch springen wie Fußball. Das erleichtert enorm die erste Ballannahme des Zuspiels. In diesem Sinne ist es eigentlich viel schwieriger, gegen die Mannschaft Fußball zu spielen, die kollektiv organisiert gegen den Ball spielt. Das darf man nie vergessen, dass die Mannschaft selbst beim Fußball den Spielraum (nicht das Spielfeld) vergrößern oder verkleinern kann.

 

Um besser zu verstehen, gliedern wir das Fußballfeld in die mehreren Futsalfelder. Wenn das relativ größere Fußballfeld und relativ kleinere Futsalfeld innerhalb der FIFA-Regeln hier als Maß benutzt werden, sieht wie die untere Grafik aus.

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Wenn man so betrachtet, versteht man, dass die neun kleinen Futsalfelder in einem großen Fußballfeld aufgebaut werden kann. Man kann auch schon ganz grob so sagen, dass Futsal innerhalb den zwei 16er Räumen (eine gilt als eigene Hälfte und andere gilt als gegnerische) Fußball ohne Abseitsregel und mit dem andren Ball und Handballtoren gespielt wird. In diesem Sinne ist Futsal sehr nützlich, um die Handlungsschnelligkeiten, das schnellste Umschaltspiel, die Ideen der Spielzüge und das richtige Stellungsspiel sowohl für Angriff als auch für Abwehr zu erlernen und auszuüben. Vor allem im Jugendbereich funktioniert Futsal sehr effektiv mit der Hilfe des Reizes und der Affekt, mit wenigen Spieler (d.h. mehr Ballkontakt) und gleich vor dem Tor zu spielen.

 

 

Eine Beispielübung in der Spielform:

In der unteren Grafik wird ein Beispiel des Aufwärmungsspiels vorgestellt. 4 gegen 4 plus 4 neutral Zuspieler mit 2 Torwarte.

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Weil mehr Spieler dort spielen, wird der Spielraum jedes einzelnen Spielers natürlich enger. Aber die zwei neutralen Zuspieler an jeder Seitenlinien garantieren den breiten Spielraum und die zwei neutralen Zuspieler in der Mitte bieten noch mehrere Möglichkeiten fürs Zuspiel. Deswegen ist hier das Ziel, simpel und schnell vors gegnerische Tor den Ball zu bringen und zum Schuss zu kommen. Durch die Beschränkung der Ballkontakte (ein freies Spiel, 3 Mal, 2 Mal, und nur 1 Mal) kann die mentale Belastung (die hohe Geschwindigkeit der Wahrnehmung und die Beschleunigung des Entscheidungsprozesses belasten viel den Kopf jedes Spielers) gesteigert werden, ohne physisch nicht so stark zu belasten.

 

 

5vs5, 7vs7 und 11vs11… eine ineinander geschachtelte Struktur:

Nun wird jetzt noch ein Spielfeld mit den roten Linien aufgebaut, wie die untere Grafik.

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Das ist ein Spielfeld des 7er Fußballs. Wenn man so betrachtet, funktioniert dieses Training auch für die Situation im 7er Fußball, wie die Mannschaft mit Überzahl den Gegner in der gegnerischen Hälfte lagern kann und wie sie danach die Tore schießt. Dadurch versteht man, dass Futsal ein Teil der ineinander geschachtelten Struktur des Fußballs ist. Man kann auch dieses Verhältnis zwischen den Beiden als Fraktal interpretieren. Das Training für Futsal funktioniert auch fürs Fußball und das für Fußball funktioniert auch fürs Futsal. Diese gegenseitigen Wirkungen lassen die Gliederungslinie der Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Arten des Fußballs verschmelzen.

 

So kann man jetzt sagen, dass man Fußball durch Futsal lernen und Futsal durch Fußball lernen kann!